Selbstreflexion: Die 10 Bausteine für gute Führung
Hast du eine Führungsposition oder strebst du sie an? Oder sind klassische Karriereziele nicht dein Ding? Egal in welcher Rolle oder Station deines beruflichen Weges du dich befindest, mit Leadership hast du immer zu tun. Du bist jetzt schon Führungskraft, denn du führst dein Leben. Aber wie machst du das mit der Selbstreflexion? Machst du es überhaupt? Und wie geht das genau? Die 10 Bausteine der guten Selbstreflexion erfährst du hier.
Segeln als Sinnbild für Selbstreflexion: Ohne Kompass kein Kurs — ohne Selbstreflexion kein bewusst gestalteter Führungsweg.
Ohne Kompass kein Kurs: Was Selbstreflexion mit Segeln zu tun hat
Als Seglerin mag ich das folgende Bild: Du bist das Segelschiff, und die verschiedenen beruflichen Möglichkeiten im Laufe deines Lebens sind all die spannenden Punkte auf deiner Landkarte. Jetzt kommt die Selbstreflexion, sie ist dein Kompass.
Ein Segelschiff ohne Kompass ist kein sicherer und guter Ort. Es wäre zwar prinzipiell zur Fortbewegung geeignet, aber wohin würde es steuern? Wie könnte es den eigenen Kurs anlegen und ihn dann beim Segeln überprüfen? Ohne Kompass erreichst du kein selbst gewähltes Ziel, und so ist es auch mit der Selbstreflexion:
„Ohne Selbstreflexion gelingt kein bewusst geplanter Berufs- oder Lebensweg.“
Was ist Selbstreflexion eigentlich genau?
OK, aber jetzt praktisch: Wie geht das mit der Selbstreflexion? Alle reden darüber, aber selten erklärt jemand, was er oder sie genau macht. Heißt Selbstreflexion, einfach mal „nachzudenken“?
In unseren Gedanken sind wir immer mit uns selbst im Gespräch. Meistens sind das eher unbewusste Prozesse, die extrem schnell ablaufen. Menschen können praktisch nie nichts denken, selbst im Schlaf passiert im Gehirn eine Menge. Ist Selbstreflexion also ein Automatismus? Die Antwort lautet: Ja und nein.
Ja, weil du nicht extra lernen musst, über dich selbst nachzudenken. Nein, weil du in der Regel sehr unstrukturiert, vielleicht sogar widersprüchlich und geradezu chaotisch über dich selbst nachdenkst. So kannst du daraus keine klaren Schlüsse ziehen. Selbstreflexion heißt, in strukturierter und zielgerichteter Weise über sich selbst nachzudenken. Und das passiert, leider, nicht automatisch.
Das wichtigste Gespräch deines Lebens
Das Gespräch in unserem Kopf, unser innerer Dialog, das ist das wichtigste Gespräch unseres Lebens.
Die Menschen, mit denen wir „nach außen“ in Kontakt sind, wechseln im Laufe unseres Lebens. Bezugspersonen ändern sich, gerade im Berufsleben bringen fast jeder neue Job und jedes neue Projekt neue Kontakte. Doch „nach innen“, also mit uns selbst, unterhalten wir uns vom ersten bis zum letzten Tag. Wir haben uns selbst immer dabei.
Wie wäre es, wenn wir unsere Kommunikationsfähigkeiten nicht nur nach außen hin stärken würden, sondern auch unseren inneren Dialog besser, klarer und strukturierter aufziehen könnten? Genau das nennt sich Selbstreflexion. Die Selbstreflexion beschreibt den strukturierten, inneren Dialog.
„Wenn Selbstreflexion gelingt, hat sie Kraft. Sie ist ein extrem einflussreiches Gespräch – ich halte sie für einflussreicher und wichtiger als jede andere Kommunikation.“
Doch wo, wann und wie reden Menschen strukturiert mit sich selbst? Wann ist dafür der richtige Moment? Spoiler Alert: Der ist nicht an der roten Ampel, im Bus oder im Stau, und auch beim Joggen oder unter der Dusche ist das mit der klaren Struktur im Kopf eher schwierig. Denn die Voraussetzungen, die zu einem klaren, strukturierten Dialog führen, sind dort nicht gegeben. Kannst du dich erinnern, wann du das letzte Mal konzentriert mit dir selbst im Gespräch warst? Wo und wann war das?
Wie Selbstreflexion wirklich gelingt: die 10 Bausteine
Hier erkläre ich dir Schritt für Schritt, wie du die Selbstreflexion so angehst, dass dabei wirklich etwas in deiner Entwicklung passiert:
1. Mach einen Termin mit dir selbst
Jedes wichtige Gespräch kommt in deinen Kalender, richtig? So solltest du auch mit der Selbstreflexion umgehen. Sie verdient eine fest reservierte Zeit, die nicht verhandelbar ist.
2. Nur ein guter Ort ermöglicht gute Gespräche
Ein aufgeräumter Schreibtisch und eine geschlossene Tür, ein Handy im Flugmodus, ein offener Blick aus dem Fenster – all das sind Dinge, auf die du achten solltest.
3. Aufschreiben ist Pflicht
Wir Menschen sind blitzschnelle Denker, und das ist ein Problem. Denn so schnell, wie wir denken können, können wir uns Dinge nicht merken. Deswegen gilt: Aufschreiben, festhalten, Gedanken notieren, am besten in der eigenen Handschrift. Vielleicht sogar in einem schönen Notizbuch.
4. Klartext statt Kuschelkurs
Ist deine Chefin wirklich an allem schuld? Oder hast du auch deinen Anteil? Liegt es immer an den „allgemeinen Rahmenbedingungen“? Bitte fasse dir an die eigene Nase, auch und gerade dann, wenn es unangenehm ist.
5. Die UWN-Frage macht den Unterschied
Die wichtigsten Erkenntnisse kommen fast nie zuerst. Deswegen ist die UWN-Frage so wichtig. Wenn du Gedanken zu einem Thema sammelst, dann frage dich mindestens fünfmal „Und was noch?“ Grabe tiefer, hole zunächst versteckte Möglichkeiten hervor.
6. Worte haben Kraft
Wir glauben, was wir uns erzählen – das hat Vor- und Nachteile. Harte Worte schaffen harte Emotionen. Bin ich wirklich ein Idiot? Habe ich 1.000 Dinge zu tun? Oder eigentlich nur 13, wovon ich wahrscheinlich vier heute nicht schaffen werde? Übertreibungen in der Wortwahl erzeugen übertriebene Gefühle. Vorsicht!
7. Selbstwertschätzung ist ein kompliziertes Wort, aber ein einfaches Konzept
Die meisten Menschen sind mit sich selbst extrem kritisch. Das geht auch anders: Sprich mit dir selbst wie mit deinem besten Freund, den du in einer komplexen Situation unterstützen möchtest.
8. Es ist ein Marathon, kein Sprint
Einmal reflektiert, einmal ein Stündchen Gedanken notiert, und dann ist das mit der Führungspersönlichkeit geritzt? Nein. Ich selbst habe keine festen Rituale, aber irgendwo zwischen alle 14 Tage und alle drei Monate solltest du dich mit dir selbst verabreden. Auch wenn das nur 30 Minuten sind, ist das super.
9. Struktur = Disziplin plus Methode
Für meine regelmäßigen Selbstreflexions-Termine nutze ich einen Timer und drei Fragen.
- Frage: Was ist gerade gut? Dann 5 Minuten aufschreiben (ich mache das gerne als Mindmap).
- Frage: Was ist gerade schwierig? Wieder eine 5-Minuten-Mindmap.
- Frage: Worauf will ich mich jetzt fokussieren? Hier gebe ich mir 10 Minuten, denn ich schaue mir meine Notizen zu den beiden vorherigen Fragen genau an, um diese dritte Frage zu beantworten.
Das ist nur eine von zig verschiedenen Arten, sich selbst strukturiert zu reflektieren. Sie ist einfach und schnell, und daher für die regelmäßige Reflexion absolut top.
10. Irgendwas ist immer
„So viel zu tun, so wenig Zeit!“ Kennen wir alle. Lass lieber die Wäsche liegen oder die Steuererklärung, aber verschieb nicht das wichtigste Gespräch deines Lebens. Es verdient deine Aufmerksamkeit. Oder noch besser gesagt: Du verdienst deine Aufmerksamkeit.
Wer Selbstführung ernst nimmt, führt Selbstgespräche anders
Ich lerne durch meine Arbeit als Coach, Workshopmoderatorin und Vortragsrednerin sehr viele, sehr unterschiedliche Menschen kennen. Mir ist über die Jahre etwas Bemerkenswertes aufgefallen: Erfolgreiche Menschen, sogenannte „Führungspersönlichkeiten“, legen Wert auf gelungene Selbstgespräche. Sie führen sie anders. Sie wollen ihr Denken und Handeln fokussiert und konzentriert reflektieren, nicht „einfach so und nebenbei“. Sie nehmen den inneren Dialog ernst – er ist schließlich das wichtigste Gespräch ihres Lebens.
Ich behaupte: Jeder Mensch hat die Möglichkeit, zu einer Führungspersönlichkeit zu werden. Der Schlüssel ist weder Talent noch Glück, sondern fast schon banal: Es ist der gelungene und regelmäßig geführte innere Dialog.
Wer Führung lernen will, muss bei sich selbst beginnen. Das hast du sicher auch schon beobachtet: Richtig gute Führungskräfte sind zuallererst immer reflektierte Menschen. Sie sind bei sich. Sie setzen sich mit sich selbst auseinander.